- Zusatzvorstellung am 2. Juni!
ICH SEHE CLARA
- von Stefan Lasko
- Uraufführung
- Theater Drachengasse
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4. – 30. Mai und 2. Juni 2026, Di–Sa um 20 Uhr
keine Vorstellungen am 5., 14. – 16. und 23. Mai 2026
Clara ist ein kleines Mädchen, das bis zu seinem vierten Lebensjahr schweigt.
Clara ist ein vom Vater trainiertes Wunderkind, eine Britney Spears am Pianoforte.
Clara Wieck ist Tochter, Pianistin und Komponistin.
Clara ist Frau Robert Schumann, Ehefrau des Originalgenies, Mutter von acht Kindern.
Clara Schumann ist Ehefrau, Mutter, reisende Pianistin, ein Star, eine Lady Gaga am Pianoforte.
Clara Schumann ist Witwe, Mutter, Pianistin, Professorin und Verlegerin.
So außergewöhnlich wie ihre Virtuosität am Klavier ist Claras Leben, das den engen Rahmen, den ihr Jahrhundert den Frauen zugesteht, sprengt. Sie ist ihrer Zeit voraus. Clara reißt, getrieben von ihrer Kunst und der Notwendigkeit, ihre Familie zu ernähren, viele Schranken nieder, die für ihre Zeitgenossinnen unüberwindbar sind.
Dennoch bleibt sie für ihre Zeit vor allem Frau; es sind Robert Schumann und Johannes Brahms, die als Genies in die Geschichte eingehen.
Nach Herr Ponzi sucht das Glück, der ersten Produktion des Autors und Regisseurs in der Drachengasse, schickt Stefan Lasko Agnes Hausmann, Roman Blumenschein und Skye MacDonald in einem Furioso durch die Lebens- und Rezeptionsgeschichte Clara Schumanns – immer angetrieben von der Frage, wie sie das alles hinbekommen hat.
Text, Regie: Stefan Lasko
Bühne, Kostüme: Kaja Dymnicki
Musik: Stefan Galler, July Skone
Regieassistenz: Emilia Laczkovics
Es spielen: Roman Blumenschein, Stefan Galler, Agnes Hausmann, Skye MacDonald, July Skone
Rechte bei Stefan Lasko
Dauer: 2 Stunden
Clara Schumann, das Musical
Agnes Hausmann brilliert in „Ich sehe Clara“ im Theater Drachengasse.
Wie hat diese Frau das alles unter einen Hut bekommen? Die Antwort des Theaters in der Drachengasse: mit Getöse. Mit Drill und Trillerpfeife, Begabung und eiserner Disziplin. Am Ende auch, so wird es hier angedeutet, mit einem Schuss Rücksichtslosigkeit, zumindest aber höchster Entschlossenheit.
Die Rede ist von Clara Schumann-Wieck (1819–1896). Ein Wunderkind, das schon mit elf Jahren komponierte. Pianistin, Komponistin, Förderin der Kunst ihres nervenkranken Mannes, Empfängerin stürmischer Liebesbriefe eines anderen. Nebenbei achtfache Mutter und Familienernährerin.
Autor und Regisseur Stefan Lasko macht sich in seiner zweiten Produktion im Theater Drachengasse auf die Spuren von Clara Wieck, die als eigenständige Künstlerin sowie als unermüdliche Förderin der Werke ihres Mannes Robert Schumann berühmt wurde. Außerdem war da noch die Liebesgeschichte mit Johannes Brahms.
Lasko zeichnet sie in seinem Stück „Ich sehe Clara“ als Role Model und Feministin. Das spielfreudige Ensemble tanzt, singt und groovt sich durch die Lebens- und Rezeptionsgeschichte dieser außergewöhnlichen Frau. Das überzeugt – mit inhaltlichen Schwächen und penetranten Kalauern – bedingt.
Auf der Haben-Seite dieser Produktion: Eine Art Musical aus diesem bemerkenswerten Leben zu machen, ist sehr wohl eine gute Idee. Vor allem aber begeistert das wirklich tolle Ensemble, allen voran die hinreißende Agnes Hausmann als Clara. Sie überzeugt als trotziges Wunderkind ebenso wie als vor Liebe brennende Gattin und toughe Verteidigerin der eigenen Lebensplanung. An ihrer Seite: Roman Blumenschein als Robert Schumann und Skye Mac Donald als Johannes Brahms sowie als Claras Vater Friedrich Wieck. Die Live-Musik stammt von Stefan Galler und July Skone. Insgesamt ein sehenswerter, mitreißender Abend, dem man eine größere Bühne und viel Publikum wünscht. Viel Jubel.
KURIER, 06.05.2026
CLARA WIECKS LEBENSMÄNNER
Schumann war kein Feminist
Mit „Ich sehe Clara“ ist ein weiteres Frauenporträt in Wien zu sehen – am 4. Mai hatte das Stück Premiere im Theater Drachengasse.
Wäre Clara Schumann (1819–1896) ohne die Männer in ihrem Leben weniger bekannt? Erzogen von ihrem bis zur Unbarmherzigkeit ehrgeizigen Vater Friedrich Wieck ist sie ein Popstar der Musikszene im 19. Jahrhundert, „eine Lady Gaga am Pianoforte“, wie Regisseur und Autor Stefan Lasko meint.
Die Gefährtin des durch die Syphilis psychisch kranken Genies Robert Schumann hetzt zwischen acht Geburten, Todesfällen und ausverkauften Konzertsälen mit hart verhandelten Gagen durch ganz Europa. Menschlicher Lichtblick ist ein weiteres Genie: Johannes Brahms wird zum engen Freund des Hauses Schumann, ihm vertraut sie ihre Kinder an, sie korrigiert seine Kompositionen. Schmerzhaft ist es dann, wenn sie gefragt wird, ob sie die Schwester von Robert Schumann sei. Doch auch der ist eben kein Feminist. Clara Schumann weiß jedoch um ihren Wert, für ihre Rechte kämpft sie, bequem ist sie nicht immer, zu bewundern ist ihre Lebensleistung alle mal.
Eine laute musikalische Inszenierung, die durch ein Stück Musikgeschichte führt. Agnes Hausmann sprintet zwei Stunden lang als Clara durch den kleinen Theaterraum in der Drachengasse – es ist eine Freude, ihr und ihren Männern dabei zuzusehen. Gut so.
Der Sonntag, 10.05.26