Vater Mutter Geisterbahn

  • Martin Heckmanns
  • Theater Drachengasse
  • 5. November - 8. Dezember 2012
    Di-Sa um 20 Uhr
    Pressepremiere: 6. November 2012*)


Österreichische Erstaufführung

Eigenproduktion Theater Drachengasse






Er muss doch eine Aussicht haben auf ein gelingendes Leben. Und wenn wir es ihm nicht zeigen, wird er so schnell keines finden in der Nachbarschaft.



Vater. Mutter. Kind. Familie Klein hat eine große Aufgabe vor sich: Papa und Mama wollen ihrem Sohn Otto eine Zukunft bieten, auch wenn sie nicht wissen, wie die aussehen soll. Und erst recht nicht einig sind, wie sie das anstellen sollen. So setzt Papa, der verhinderte Regisseur, auf die Inszenierung von Gute-Nacht-Geschichten, die er selber nicht versteht. Und Mama experimentiert mit existenziellen Fragen, wie sie es in ihrem abgebrochenen Philosophiestudium gelernt hat. Auch wenn die manchmal nur lauten: „Darf Otto ein Gummibärchen nach dem Zähneputzen essen?“



Papa und Mama Klein haben sich Harmonie verordnet und so pfeifen sie sich regelmäßig zurück an den Start: Noch einmal bei der Tür hereinkommen, diesmal positiv. Ihrem Sohn zuliebe. Auch wenn der sich inzwischen ein Maschinengewehr statt der Geige wünscht.





Regie: Anselm Lipgens

Bühne, Kostüm: Anna Katharina Jaritz

Regieassistenz: Leila Müller, Maria Mangott

Es spielen: Fritz Hammel, Simon Jaritz, Alexandra M. Timmel

Rechte bei Suhrkamp Theaterverlag Berlin



 



 



*) Wir spielen auch schon am 5. November 2012, für all jene, die NICHT zur Nestroypreis-Verleihung gehen ...



 



 



 


Total kaputte Typen

Er wäre Regisseur - der Ausbildung nach. Doch er bekommt keine Engagements und arbeitet in einem anderen Beruf. Sie hat Philosophie studiert, doch das Studium abgebrochen: wegen Otto! Otto ist der Sohn der beiden, die fest entschlossen sind, alles richtig zu machen, ja geradezu perfekt. Doch sie haben längst den Instinkt für zwischenmenschliche Beziehungen verloren. Und so bedienen sie sich schlauer Bücher, um ihr Kind glücklich zu machen. Zwei total kaputte Typen, die Vorbilder sein wollen und nicht einmal imstande sind, den geistigen Gehalt von Weihnachten zu verstehen und ein läppisches Spiel daraus machen. Als der Sohn alt genug dafür ist, verlässt er das Elternhaus - auf Nimmerwiedersehen!

"Vater Mutter Geisterbahn" nennt der deutsche Autor sein bitterböses Stück über die Tragik der übertünchten Oberflächlichkeit, die über kurz oder lang zur Katastrophe führen muss. Martin Heckmanns, mehrfach preisgekrönt, zeichnete die Eltern genau, scharf und liebevoll, denn sie meinen es im Grunde ja gut, doch sie sind zu sehr von Äußerlichkeiten geprägt, um richtig zu reagieren. Das ist die Tragödie der Eltern und auch die für das Kind.

Fritz Hammel, Alexandra Maria Timmel und Simon Jaritz gestalten ihre Rollen, unter der minutiösen Regie von Anselm Lipgens, hervorragend und werden dabei auch noch durch die einfallsreiche Ausstattung von Anna Katharina Jaritz bestens unterstützt.

WIENER ZEITUNG, 8.11.2012

 


Das Krokodil ist der Chef

Kindererziehung als dramaturgische Versuchsanordnung zeigt das Theater Drachengasse in "Vater Mutter Geisterbahn"

Wien - Kindererziehung ist auch nur ein Spiel. Wenn Papa nach der Arbeit keine gute Stimmung verbreitet, dann muss er eben noch mal zur Tür hereinkommen. Und dem Kind Positives vermitteln über einen Job, der ihn eigentlich ankotzt.

In Vater Mutter Geisterbahn, das unter der Regie von Anselm Lipgens erstmals in Österreich im Theater Drachengasse zu sehen ist, erzählt Martin Heckmanns von einem jungen Paar, das mitten im Studium Nachwuchs bekommt. Fortan versuchen Mama (Alexandra M. Timmel) und Papa Klein (Fritz Hammel), ihren Otto (Simon Jaritz) richtig zu erziehen.

Anna Katharina Jaritz' Ausstattung lässt erkennen, wie schnell die Zeit vergeht: Der Flickenteppich aus der Studentenwohnung weicht im Laufe der Jahre neueren Modellen, die aufblasbaren Sessel wechseln von knallbunt zu dezent.

Die Wohnung ist Bühne für die zu einer dramaturgischen Versuchsanordnung überspitzte Erziehung. Alexandra Timmel als lässig-emanzipierte Mutter und Fritz Hammel als grandios manischer Möchtegern-Regisseur spielen nicht vor dem Publikum, sondern vor ihrem Sohn. Sie führen ihm eine heile Welt vor, erklären mittels Kasperltheater den Kapitalismus (den Arbeitgeber gespielt vom Krokodil).

Simon Jaritz lässt es über sich ergehen, anfangs als Riesenbaby im bedruckten Strampler ("I love Grandma"), später als Teenie im Star Wars -Shirt. Von Beginn an spricht er mit der Stimme eines Erwachsenen.

Zwischen den oft sehr lebensnahen Spielszenen (etwa wenn die Eltern nachts auf den Sohn warten) halten die Figuren immer wieder inne und reflektieren über Erziehungs- und Familienangelegenheiten. Besser und überzeugender aber ist das Stück, wo es den Erziehungswahnsinn in pointierten Spiel-im-Spiel-Szenen zeigt.

(DER STANDARD, 9.11.2012)


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