POLAR

von Sokola//Spreter
Jurypreis Nachwuchswettbewerb 2022
Uraufführung
Eine Koproduktion mit Theater Drachengasse
Bar&Co
23., 25. – 28., 31. Jänner
und 1. – 4. Februar 2023
um 19:30 Uhr

Eine Strafkolonie auf einem Gletscher, fernab der Zivilisation. Eine Zelle, ein Fenster, drei Gefangene: Warren, Salty, Sid. Das Klima im Raum – und damit auch ihr Überleben – wird durch eine Anlage gesteuert, welche die gegenwärtige soziale Kälte oder Wärme in der Außenwelt als tatsächliche Temperatur in den Raum leitet. Trotz aller Risiken wagen die drei die Flucht, um als handelnde Menschen in die Wirklichkeit zurückzufinden: Sie kämpfen sich durch eine Wüste aus Eis, an deren Ende ein Schatz vergraben sein soll …
Polar ist ein Ausbruchsversuch, die vielleicht wirklich letzte Expedition. Was bleibt uns, wenn im eisigen Wind alles verweht? Wenn wir auf Fernwärme nicht mehr vertrauen können?
Was bringt uns Erlösung – die Liebe, die Gewalt, das Geld?

Aufgrund der innovativen Sprachrhythmik, der hochpoetischen Bilder des Textes, denen die Spieler*innen eine feine Komik verleihen, ohne jemals die Ernsthaftigkeit des Gesagten zu verraten, oder der mitschwingenden Bedrohlichkeit zu entgleiten und aufgrund der Klarheit der Regie in Zeichensetzung, formaler Umsetzung und Rhythmik, die diese dystopische Atmosphäre einer geschlossenen Gesellschaft im Eis ohne Betroffenheit aber mit großem Geheimnis kreiert, hat sich die Jury für den Entwurf von Polar entschieden, da er neugierig macht, in welche Gefilde diese Expedition im Eis in einer abendfüllenden Variante noch vordringen wird.
Jurybegründung für die Verleihung des Jurypreises 2022 an Polar

Regie: Pablo Lawall
Bühne, Kostüm: Selma Lindgren
Ausstattungsassistenz: Lisa Haake
Video: Benedikt Franz Werth
Mit: Eren Kavukoğlu, Magdalena Lermer, Luc Schneider

Dauer: ca. 80 min.

Rechte bei Felix Bloch Erben Verlag, Berlin

Gefördert von Wien Kultur Innere Stadt
Gefördertes Sonderprojekt der Österreichischen Hochschüler_innenschaft
Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa Berlin
Gefördert durch den Förderverein der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch

"Polar": Cowboys brechen in der Drachengasse aus Platons Höhle aus

Aufheiternder Existenzialismus: Das Siegerstück des Nachwuchswettbewerbs feierte in der Regie von Pablo Lawall seine Uraufführung

Wien – Geld, Liebe, der Sinn des Lebens und nebst einer wohltemperierten Wohnung möglicherweise noch ein bisschen Poesie – damit sind Menschen befasst. Oder in konkrete Fragen gemünzt: Wie können wir Vertrauen zueinander aufbauen? Finden wir im Leben den großen Schatz? Und wird das alles von einer unsichtbaren Machtinstanz geleitet, gegen die wir sowieso keine Chance haben?

Dem Drama Polar vom Autorenduo Ivana Sokola und Jona Spreter – es wurde beim Nachwuchswettbewerb des Theater Drachengasse im letzten Frühling als Siegerstück gekürt – gelingt es, diese ganz großen Fragen in unprätentiöser und spielfreudiger Manier abzuhandeln. Das Ergebnis wirkt jedenfalls so, als hätte Tarantino einen Western in einer Schuhschachtel gedreht.

Warren, Sid und Salty

Aus dem Gefälle zwischen Blockbuster-Grandezza und studentischem Theatercharme schlägt die Inszenierung von Pablo Lawall im Theater Drachengasse ihren Gewinn. Im kleinen Bar-&-Co-Raum hüpfen zu Beginn drei Schauspieler mit Steckenpferden aus dem Vorspann einer Italowestern-Leinwand. Denn in Polar liegt der zu ergründende wilde Westen in einer Gegend im ewigen Eis. Dort planen, begleitet vom Klappern ihrer Stiefel, Warren (Eren Kavukoğlu), Sid (Magdalena Lermer) und Salty (Luc Schneider) den Ausbruch aus dem Gefängnis, einer Art Höhle Platons, die hinter der Leinwand mit Live-Kamera ausspioniert wird.

Wenige, dafür symbolträchtige Dinge wie der Sündenfall-Apfel erzählen die entscheidenden Manöver mit. Darüber hinaus nehmen Kalauer diesem als philosophische Etüde zu lesenden Befreiungsschlag die Schwere ("Ist die Angst eine Bombe in mir oder doch nur ein Bonbon in mir?"). Hingebungsvoll gesungene Balladen (In einem kühlen Grunde), Pappkarton-Slapstick und schattige Videoästhetik ergeben eine gut abgestimmte Stilmischung, die mit Morricone gebührlich endet.

derstandard.at, 26.1.2023


"Ein Western im ewigen Eis mit Cowboystiefeln statt Winterschuhen und einem ominösen Goldschatz, für den man sich tagelang durch Kälte, Wind und meterhohen Schnee kämpfen muss: Das ist Polar. Unter anderem. Daneben ist das neue Theaterstück von Ivana Sokola und Jona Spreter in einer Inszenierung von Pablo Lawall aber vor allem eines: ein durchaus kluger und gewitzter Kommentar auf unsere Gesellschaft. (...) Ein Stück, das die Frage stellt, wie es funktionieren würde, wenn unsere soziale Wärme nicht bloß ein geflügeltes Wort wäre, sondern ganz konkret zum Heizen genutzt werden müsste. (...) Es ist ein unterhaltsamer Theaterabend, der sowohl in seiner Ästhetik aber auch sprachlich überrascht. Mit einem Wortwitz, der durch den nüchternen Vortrag der drei Darstellenden auch punktgenau beim Premierenpublikum angekommen ist."

Ausschnitt aus Ö1 Kulturjournal, 24.01.2023
https://oe1.orf.at/player/20230124/706347/1674577606895


POLAR IN DER DRACHENGASSE

Wer sich nach einem kalten Schauer sehnt, sollte sich das Stück „POLAR“ in der Drachengasse in Wien ansehen. Drei Gefangene, eine Stimme aus dem Off und vor der Zelle der eisige Gletscher.

GIER NACH DEINEM NAMEN, DEM WISSEN ÜBER DICH

Warren, Salty und Sid liefern sich auf Leinwand, ein Wortgefecht nach dem anderen. Das Publikum kommt kaum mit und mein persönliches Highlight war als eine Frau, zwei Reihen vor mir relativ laut zu ihrer Begleitung bemerkte, wie schwierig sie die Texte fand. Doch nicht unbedingt unverständlich war die Sprache, eher das Gesagte, es war so schön verschachtelt. Die Charaktere verloren jedoch nie das Gesicht, je ernsthafter die Sprache, desto lustiger die Pointe. Das Berliner Autor*innen Duo Sokola//Spreter wollte wohl ursprünglich einen Western schreiben, denn die Texte und die Attitude sind im Kontrast zu den Temperaturen in der Zelle, unglaublich hitzig.

GIER NACH EINEM SONNENSTRAHL

Nach dem Überwinden von der großen Angst vor dem Ungewissen brechen sie aus der Zelle aus und wer das Stück bis hier verstanden hat, steigt spätestens dann auch aus. Auf der Suche nach einem Schatz stoßen die drei und auch die Wörter an ihre Grenzen. In Folge heißt es dann wir oder der Schnee, alle gegen einen oder am Ende doch nur jede*r gegen sich selbst.

GIER NACH NICHTGEDACHTEN GEDANKEN

Ganz besonders waren die Gastauftritte von der Belüftung, dem Schatz und der Stimme aus dem Lautsprecher. Wäre das Stück noch zwei Stunden so weitergegangen wäre, hätte ich mich nicht beschwert, großartige Unterhaltung doch eine Erkenntnis bleibt aus. Eine Hommage an die Sprache, absurd und wunderbar erfrischend, wir hätten gerne mehr davon. „POLAR“ ist noch bis 04.02.2023 im Theater Drachengasse zu bewundern.

subtext.at, 25.01.2023


Sokola//Spreter - Polar - Theater in der Drachengasse

Am 23. Jänner feierte "Polar" von dem Autoren-Duo Sokola//Spreter Premiere im Theater in der Drachengasse. Das Stück wurde mit dem Jurypreis des Nachwuchswettbewerbs Einfach Radikal 2022 ausgezeichnet.

In der Strafkolonie
Wir befinden uns in einer Strafkolonie fernab jeglicher Zivilisation. In einer Zelle mit nur einem Fenster müssen Warren, Salty und Sid in Gefangenschaft ausharren. Es geht hier um das nacktes Überleben.

Ausbruch
Das Raumklima sowie ihre Existenz wird von einer Anlage reguliert, welche die gegenwärtige soziale Wärme und Kälte in tatsächliche Temperatur umwandelt und im Raum verbreitet. Obwohl es riskant scheint, unternehmen die drei Gefangenen einen Ausbruchsversuch. 

Auf Schatzsuche
Die ProtagonistInnen forcieren mit der Flucht einen Rückweg in die Realität als handelnde Menschen. Die beschwerliche Reise führt sie durch eine Eiswüste, an deren Ende Gerüchten zufolge ein Schatz vergraben sein soll. 

Fazit
In "Polar" verschmelzen Theater und Film auf einzigartige Art und Weise. Das Bühnenbild ist eine Leinwand für einen experimentellen Film, dahinter findet parallel auch ein Teil des Geschehens ab. Dieses verlagert sich schließlich auf die Bühne selbst. Schlussendlich ist es der Goldschatz, der übrig bleibt.

kunstreflektor.at, 24.01.2023


Spielplan Januar 2022