Theater Drachengasse  Bar&Co
AKTUELLE PRODUKTIONEN


Der mit dem Sohn tanzt
Eine Stückentwicklung von Matthias Rippert und Felician Hohnloser

Bar&Co
21., 22., 23. März 2019 um 20 Uhr

 

Foto: Christian Schüll

 
Foto: Christian Schüll  





















Der Abend steigert sich physisch fast bis zum Exzess. Denn Vater, Sohn und Opa vermengen sich zur wilden Aktion. Mannheimer Morgen

Plötzlich gibt es ein Kind. Plötzlich ist man Vater. Nicht ganz plötzlich und trotzdem konnte man sich nicht wirklich darauf vorbereiten. Und dann hält man das Kind im Arm. Das einen anschaut. Es beobachtet einen ganz genau. Und es hat eine Erwartungshaltung. Was erwartet es denn?

Soll man ihm jetzt die ganze Welt erklären?! Man wird zum Vorbild, ob man möchte oder nicht. Aber eignet man sich denn zum Vorbild?  Naja. Wie sollte er also werden? Und sollte das Kind dem Beispiel folgend dann so werden wie er? Nein. Doch. Vielleicht bisschen anders. Aber schon wie er. Aber besser. Wie Justin Bieber.
 

Text, szenische Einrichtung: Matthias Rippert
Text, Spiel: Felician Hohnloser

Nominiert für den Heidelberger Theaterpreis/Theatertage 2016


  Foto: Christian Schüll
  Foto: Christian Schüll

 

 

In einer ganz neuen Rolle
Felician Hohnloser hat ein Vater-Stück entwickelt

„Das hat mein Leben völlig umgekrempelt“, sagt Felician Hohnloser über die Geburt seines Sohnes. Und zwar so sehr, dass es den am Jungen Staatstheater engagierten Schauspieler dazu gedrängt hat, über diese innere Umwälzung einen Theaterabend zu entwickeln. Auf eigene Faust hat er daraufhin mit dem Regisseur Matthias Rippert sein Projekt „Der mit dem Sohn tanzt“ entwickelt.

„Man wird zwar nicht ganz plötzlich Vater, aber man kann sich auch nicht wirklich darauf vorbereiten, was es bedeutet, plötzlich ein Kind im Arm zu halten, das einen anschaut und einen ganz genau beobachtet“, beschreibt Hohnloser seine Empfindungen als junger Vater. „Ich hatte, ehrlich gesagt, bis dahin nicht richtig konsequent überlegt, wer ich selbst eigentlich bin, beziehungsweise sein will. Und dann war ich plötzlich in einer Position, in der man mit allem, was man tut, einen anderen Menschen beeinflusst.“

Durch die Vaterrolle wurde Hohnloser somit auch auf sich selbst zurückgeworfen: „Ich habe mich gefragt: Wer bin ich? Kann ich das ändern? Und wie bin ich geworden, was ich bin?“, erzählt Hohnloser. Insofern reflektiert er in seinem Projekt auch seine eigene Position als Sohn, „denn natürlich bin auch ich durch meine Familie geprägt.“ Nun besteht seit einigen Jahren kein Mangel an Selbstreflektionen von Vätern über ihre Rolle – vor allem in Buchhandlungen reihen sich Anekdotensammlungen und Ratgeberbücher geradezu aneinander.

Hohnloser will mit seinem Projekt einen anderen Weg gehen: „Es gibt zwar eine Rahmenhandlung, aber keine lineare Geschichte mit Anfang und Ende.“ Die Szenen und Texte seien eher assoziativ gebaut – was auch im Entstehungsprozess begründet ist: „Matthias und ich haben uns eine Woche lang täglich eingeschlossen. Ich habe drauflos improvisiert, er hat das aufgenommen und danach gewissermaßen die Filetstücke herausgesucht.“ Aus diesen Textpassagen habe man dann wiederum gemeinsam das Stück montiert und in einer so knappen wie intensiven Probenphase fertiggestellt.

Um für den sehr persönlichen Impuls des Stücks einen zugänglichen Ansatz zu finden, haben Hohnloser und Rippert eine Rahmenhandlung entwickelt, in der sich der Sohn eines erfolglosen Theaterregisseurs aus Protest gegen den Vater in einer Toilette einsperrt – und zwar im Schiller-Archiv Marbach, wo der Vater für eine groß angelegte Schiller-Inszenierung recherchiert. „Als der Sohn sich weigert, wieder herauszukommen, erkennt der Vater die Situation als Chance – und erklärt die ganze Situation zur öffentlichen Performance“, erzählt Hohnloser.

Dieser Rahmen reflektiert zum einen den Impuls, private Erlebnisse in künstlerische Ereignisse umzumünzen (ein Impuls, der auch diesem Abend zugrunde liegt). Er öffnet aber auch den Bezugsrahmen zum Vater-Sohn-Thema, das sich in Schillers Werk mehrfach findet, worauf im Probenprozess mit mehreren Zitaten verwiesen wurde. Auf diese Passagen haben Hohnloser und Rippert letztlich verzichtet – ebenso wie auf ein anderes großes literarisches Vater-Sohn-Motiv, das zufällig ganz am Beginn seiner Vaterschaft stand: Als Hohnloser von der Schwangerschaft seiner Freundin erfuhr, probte er gerade in Zürich – für „Hamlet“.

Interview mit Andreas Jüttner, Badische Neueste Nachrichten, 2016

Drucken Drucken
zurück zurück