Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid!
- Bar&Co
- 9. – 21. Oktober 2017, Di-Sa um 20 Uhr
Lieber Bonnie,
Es ist ja so. Wir haben lange gewartet und waren geduldig. Wir sind joggen gegangen. Wir haben uns gesund ernährt. Wir haben unsere Körper auf Vordermann gebracht. Wir haben eine Ausbildung gemacht, haben studiert und sind gereist. Wir haben lange Gespräche geführt, haben Interesse an vielen Dingen entwickelt, haben Sprachen gelernt und gelernt wie wir uns anziehen müssen, damit wir nach etwas aussehen. Wir haben in uns und unsere Leben viel Zeit und Geld investiert, damit wir damit etwas anfangen können. Und jetzt ist all das in Gefahr, weil es etwa Probleme gibt? Woher wir das wissen? Aus dem Internet! Dort sagen das nahezu alle. Es stünde schlecht um uns und man müsse etwas unternehmen. Das sagen auch nahezu alle. Das ist nicht fair. Darauf hat man uns nicht vorbereitet. Und außerdem fehlen uns dazu die Informationen und die finanziellen Mittel. Was machen wir denn jetzt. Wie du weißt, bin ich Schriftstellerin und arbeite im Einzelhandel und da bleibt mir wenig Zeit mich noch um anderes zu kümmern. Und so geht es fast allen. Gut. Nicht jeder arbeitet im Einzelhandel, aber nahezu jeder ist Schriftsteller*in geworden und da braucht man viel Zeit für sich. Bonnie, ich weiß. Uns geht es ja gut. Wir haben Arbeit, die Landschaft ist toll, das Klima auch, wir tragen tolle Kleider, alles i.O. Noch! Weißt du, ich habe einfach Angst, dass wir es nicht hinbekommen. Dass alles vergebens war. Dass wir nicht den Ruhm ernten, den wir verdienen, sondern stattdessen einfach immer so weiter machen, weiter unsere Kleider kaufen und gesunde Dinge essen und dann einfach verschwinden und als die größten Witzfiguren in die Geschichte eingehen werden. Davor habe ich eine verdammte, begründete Angst!
In Liebe, den Tränen nahe, deine Bonnie!
P.S.: Ich habe jedes einzelne Gespräch mit Dir genossen. Auch wenn uns kein einziges weitergebracht hat.
Theatrales Panoptikum zur Beforschung von zwischenmenschlichen Prozessen in Bezug auf Haben, Wollen, Sein und Müssen. Im Generellen geht es um den Menschen, im Speziellen auch. Es herrsche Gerechtigkeit, möge auch die Welt darüber zugrunde gehen!
Inszenierung: Korbinian Schmidt, Franz-Xaver Mayr
Dramaturgie: Moritz von Schurer
Video: Nela Pichl
Maske: Inge Schra
Regieassistenz: Sarah Maringer
Bühnenbildassistenz: Johanna Mitulla
Es spielen: Nehle Breer, Karola Niederhuber, Nils Rovira-Muñoz, Amerlingchor
Nach Die großen Kinder unserer Zeit ist Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid! die zweite Arbeit der Jurypreis-Gewinner*innen des Nachwuchswettbewerbs 2016 im Theater Drachengasse.
Franz-Xaver Mayr ist aktuell für den NESTROY Preis 2017 nominiert.
Das Projekt wird gefördert durch die Kulturabteilung des Magistrats der Stadt Wien.
Bonnie und Kleid sind für "Gerechtigkeit"
Wenn der aktuell Nestroy-nominierte Regisseur Franz-Xaver Mayr mit Korbinian Schmidt Abende entwickelt, scheitert jede seriöse Beschreibung. "Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid!" heißt ihr neues nihilistisches Meta-Kuriosum über die Leere von Begriffen wie „Gerechtigkeit“. Drei Wesen – sie heißen Bonnie und tragen ein Kleid – führen in atemlosen Dialogen und Chorpassagen Rhetorik ad absurdum. Nehle Breer, Karola Niederhuber und neu im Team Nils Rovira-Muñoz (vormals Volkstheater) sind in ihrer pompösen Gewandung und Mimik so kolossal anzusehen wie in ihrer Sprachkritik anzuhören. Ein Faschingsgesangschor und eine Art blinder Justitia-Roboter fetten die hippe Gänsefüßchenpoesie auf. Motto: Wenn schon alles sinnlos ist, darf es doch wenigstens Spaß machen. Und das macht es.
falter.at, 17.10.2017
"Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett ...": Das Gespenst der Gerechtigkeit
Uraufführung in der Drachengasse "Oh nein – eine Allegorie!" Gerade noch fragte sich Bonnie, was denn nun Gerechtigkeit sei, schon steht diese mit langem blondem Haar, hautfarbenem Turnanzug und Fistelstimme auf der Bühne. Das grell gewandete Trio (Nehle Breer, Karola Niederhuber, Nils Rovira-Muñoz) – unisono als Bonnie auftretend und sprechend – redet sich in Rage, zittert vor Wut, bis die verkrampften Grimassen ob der sich einstellenden Müdigkeit in einer Art Robo-Dance zu den Klängen der Elektropopband The Knife mündet. Die Uraufführung Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid! im Theater Drachengasse dekliniert in irrwitzig schnellen Monologen einmal das gesamte Bobo-Vokabular durch und will dabei auch noch omnipräsente Wahlslogans aufs Korn nehmen. Das ist zwar unterhaltsam, doch werden die Klischees so weit überspitzt ("gute Literatur, sehr gute Heilpraktiker und vegane Fleischhauer"), dass sich im hippen, studierten Publikum dann doch niemand angesprochen fühlen muss. Man ahnt, dass die Gerechtigkeit irgendwie mit dem eigenen Lifestyle zu tun haben könnte – aber "das Thema ist dann doch umfangreicher, als ich dachte". (heka, 16.10.2017) - derstandard.at/2000066119710/Arme-Gerechtigkeit-liegst-im-Bett-Das-Gespenst-der-GerechtigkeitUraufführung in der Drachengasse "Oh nein – eine Allegorie!" Gerade noch fragte sich Bonnie, was denn nun Gerechtigkeit sei, schon steht diese mit langem blondem Haar, hautfarbenem Turnanzug und Fistelstimme auf der Bühne. Das grell gewandete Trio (Nehle Breer, Karola Niederhuber, Nils Rovira-Muñoz) – unisono als Bonnie auftretend und sprechend – redet sich in Rage, zittert vor Wut, bis die verkrampften Grimassen ob der sich einstellenden Müdigkeit in einer Art Robo-Dance zu den Klängen der Elektropopband The Knife mündet. Die Uraufführung Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid! im Theater Drachengasse dekliniert in irrwitzig schnellen Monologen einmal das gesamte Bobo-Vokabular durch und will dabei auch noch omnipräsente Wahlslogans aufs Korn nehmen. Das ist zwar unterhaltsam, doch werden die Klischees so weit überspitzt ("gute Literatur, sehr gute Heilpraktiker und vegane Fleischhauer"), dass sich im hippen, studierten Publikum dann doch niemand angesprochen fühlen muss. Man ahnt, dass die Gerechtigkeit irgendwie mit dem eigenen Lifestyle zu tun haben könnte – aber "das Thema ist dann doch umfangreicher, als ich dachte". (heka, 16.10.2017) - derstandard.at/2000066119710/Arme-Gerechtigkeit-liegst-im-Bett-Das-Gespenst-der-GerechtigkeitUraufführung in der Drachengasse "Oh nein – eine Allegorie!" Gerade noch fragte sich Bonnie, was denn nun Gerechtigkeit sei, schon steht diese mit langem blondem Haar, hautfarbenem Turnanzug und Fistelstimme auf der Bühne. Das grell gewandete Trio (Nehle Breer, Karola Niederhuber, Nils Rovira-Muñoz) – unisono als Bonnie auftretend und sprechend – redet sich in Rage, zittert vor Wut, bis die verkrampften Grimassen ob der sich einstellenden Müdigkeit in einer Art Robo-Dance zu den Klängen der Elektropopband The Knife mündet. Die Uraufführung Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid! im Theater Drachengasse dekliniert in irrwitzig schnellen Monologen einmal das gesamte Bobo-Vokabular durch und will dabei auch noch omnipräsente Wahlslogans aufs Korn nehmen. Das ist zwar unterhaltsam, doch werden die Klischees so weit überspitzt ("gute Literatur, sehr gute Heilpraktiker und vegane Fleischhauer"), dass sich im hippen, studierten Publikum dann doch niemand angesprochen fühlen muss. Man ahnt, dass die Gerechtigkeit irgendwie mit dem eigenen Lifestyle zu tun haben könnte – aber "das Thema ist dann doch umfangreicher, als ich dachte". (heka, 16.10.2017) - derstandard.at/2000066119710/Arme-Gerechtigkeit-liegst-im-Bett-Das-Gespenst-der-GerechtigkeitUraufführung in der Drachengasse "Oh nein – eine Allegorie!" Gerade noch fragte sich Bonnie, was denn nun Gerechtigkeit sei, schon steht diese mit langem blondem Haar, hautfarbenem Turnanzug und Fistelstimme auf der Bühne. Das grell gewandete Trio (Nehle Breer, Karola Niederhuber, Nils Rovira-Muñoz) – unisono als Bonnie auftretend und sprechend – redet sich in Rage, zittert vor Wut, bis die verkrampften Grimassen ob der sich einstellenden Müdigkeit in einer Art Robo-Dance zu den Klängen der Elektropopband The Knife mündet. Die Uraufführung Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid! im Theater Drachengasse dekliniert in irrwitzig schnellen Monologen einmal das gesamte Bobo-Vokabular durch und will dabei auch noch omnipräsente Wahlslogans aufs Korn nehmen. Das ist zwar unterhaltsam, doch werden die Klischees so weit überspitzt ("gute Literatur, sehr gute Heilpraktiker und vegane Fleischhauer"), dass sich im hippen, studierten Publikum dann doch niemand angesprochen fühlen muss. Man ahnt, dass die Gerechtigkeit irgendwie mit dem eigenen Lifestyle zu tun haben könnte – aber "das Thema ist dann doch umfangreicher, als ich dachte". (heka, 16.10.2017) - derstandard.at/2000066119710/Arme-Gerechtigkeit-liegst-im-Bett-Das-Gespenst-der-GerechtigkeitUraufführung in der Drachengasse "Oh nein – eine Allegorie!" Gerade noch fragte sich Bonnie, was denn nun Gerechtigkeit sei, schon steht diese mit langem blondem Haar, hautfarbenem Turnanzug und Fistelstimme auf der Bühne. Das grell gewandete Trio (Nehle Breer, Karola Niederhuber, Nils Rovira-Muñoz) – unisono als Bonnie auftretend und sprechend – redet sich in Rage, zittert vor Wut, bis die verkrampften Grimassen ob der sich einstellenden Müdigkeit in einer Art Robo-Dance zu den Klängen der Elektropopband The Knife mündet. Die Uraufführung Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid! im Theater Drachengasse dekliniert in irrwitzig schnellen Monologen einmal das gesamte Bobo-Vokabular durch und will dabei auch noch omnipräsente Wahlslogans aufs Korn nehmen. Das ist zwar unterhaltsam, doch werden die Klischees so weit überspitzt ("gute Literatur, sehr gute Heilpraktiker und vegane Fleischhauer"), dass sich im hippen, studierten Publikum dann doch niemand angesprochen fühlen muss. Man ahnt, dass die Gerechtigkeit irgendwie mit dem eigenen Lifestyle zu tun haben könnte – aber "das Thema ist dann doch umfangreicher, als ich dachte".
derstandard.at, 16.10.2017
Bonnie wartet und beschäftigt sich erst mal mit den schönen Dingen.
Fashionblogger, Foodblogger, Lifestyleblogger – alle Instagrammer muss man in diese Inszenierung reinsetzen, Leute, die sich am Sonntag gern Zeit fürs Feuilleton nehmen, und solche, die Spaß am cleveren Non-Sense haben. Wobei, Sinn macht dieser sehr gut gearbeitete, stürmische, klingende Theaterabend ja. Ich war bei „Arme Gerechtigkeit, liegst im Bett und hast kein Kleid“ von Franz-Xaver Mayr und Korbinian Schmidt im Theater Drachengasse.
*** Franz-Xaver Mayr ist aktuell für den NESTROY Preis 2017 nominiert. ***
Mir gefällt an den Arbeiten von Franz-Xaver Mayr und Korbinian Schmidt, dass sie sich voller Lust und mit offenem Visier den komplexen Themen stellen, die unsere Lebensrealität ausmachen, und das in einer Radikalität, in der sie sich nicht einmal vor sich selbst schützen. Diese Arbeitsweise lässt Theaterabende entstehen, die so voll sind, dass ich fast nicht darüber schreiben kann.
Auf der Bühne stehen drei Leute in sehr gut gearbeiteten, schönen Kleidern und reden. Das war’s. Sie bewegen sich und reden. Sie reden gleichzeitig und nacheinander, hören einander mal zu, dann wieder nicht. Irgendwann – am Schluss – passiert was, das ich nicht sagen darf und von dem ich auch kein Foto posten soll. Das, was da passiert, ist so lustig, dass ich hoffe, ihr schafft es noch vor dem 21. Oktober ins Theater Drachengasse. Es ist echt sau witzig und es wär schade, wenn ihrs verpassen würdet.
“Drei Mitglieder des Bürgertums behaupten sich selbst.” Oder: “Die Bubble stellt sich vor.” – Ich suche nach einem Satz, der erklärt, was hier passiert, aber ich weiß nicht, wie ich zusammenfassen soll, worum es geht. Ich finde nämlich, es geht nur zum Teil um Gerechtigkeit. Im ersten Teil wird mir manchmal etwas zuviel erklärt. Die Gerechtigkeit taucht als Allegorie auf. Das hätte ich eigentlich auch nicht gebraucht. Viel lustiger und spannender finde ich, wie die drei Figuren des Mayr/Schmidt’schen Theaterkosmos physisch und psychisch auf die Komplexität des Begriffs “Gerechtigkeit” reagieren.
„Naja, es geht halt um unser Leben und was uns so umgibt.“, versuchte eine Besucherin ein paar Tage später im Werk X „Ich glaube“ vom Aktionstheaterensemble zusammenzufassen. Von der Machart her ähneln sich „Arme Gerechtigkeit“ und „Ich glaube“ sehr. Assoziativ werden Texte, Haltungen, Themen und Positionen angeordnet und bieten dem Publikum eine dichte Welt an Möglichkeiten an, Dinge neu zu denken.
Während dem Aktionstheaterensemble allerdings nur ein loses Gruppenarbeitsergebnis gelang, erreichen Mayr und Schmidt mit ihrem Ensemble eine beeindruckende Anstrengung, die Spaß macht – und bei der einem der Mund offen stehen bleibt.
„Ich habe mich allen Wettbewerben gestellt.“
Meisterhaft zeigt sich die Regie-Handschrift des jungen Duos in den Chorsequenzen. Nehle Breer drängt gegen Ende mit einem kraftvollen Monolog über den Style, den Widerstand und die Sehnsucht nach Haltung von der Bühne heraus ins Publikum – wie ein Rapsolo, das so schnell wird, dass man beim Zuhören nur mehr die Luft anhalten kann. „Chor kann er“, schreibe ich in mein Notizheft und erinnere mich an den Nestroy-nominierten „Stern“ von Miro Svolikova und die „Kinder“ am Theater Drachengasse vergangene Saison.
Alle drei Figuren heißen Bonnie. Bonnie ist männlich und weiblich und das wechselt ständig, bis irgendwann egal ist, wer wie heißt und welches Geschlecht hat. Major love!!
Bei Franz-Xaver und Korbinian werden Textflächen wie Waffen für Angriff und Verteidigung verwendet. “Mich wundert langsam gar nicht mehr, dass du keine Arbeit hast.” wirft Karola Niederhuber an einer Stelle Nils Rovira-Muños vor und holt sich so ihren Raum im Gespräch wieder zurück. Ein Abend, der Ihren Kopf waschen wird – im besten Sinne.
Fazit: Große Empfehlung!
callisti1010.com
