THEATER DRACHENGASSE  BAR&CO  


Tag des Zorns

von Árpád Schilling und Éva Zabezsinszkij
Deutsch von György Buda
Koproduktion mit neuebuehnevillach
Österreichische Erstaufführung

Theater Drachengasse
14. Jänner – 9. Februar 2019
Di-Sa um 20 Uhr
Im Anschluss an die Vorstellung am 2. Februar 2019
laden wir ein zur Podiumsdiskussion "Ungarn: geteiltes Land, illiberaler Staat, Demokratur - was geht uns das an?"

 

Foto: Andreas Friess  
Foto: Andreas Friess  





















Meine Freunde! Wir unternehmen alles, um nach der Gleichgültigkeit Europas und unsrer letzten Regierung das Volk als Partner und nicht als Diener zu behandeln. Wir sind eins mit euch. Wir stehen für euch ein, wir kommen aus dem Volk. Wir lassen euch nicht allein, wir kämpfen mit euch für die Zukunft.

Erzsébet Fekete, Krankenschwester auf einer Frühchenstation, kämpft um das Leben „ihrer“ Babies, sie fordert eine Grundversorgung mit Klopapier, Handtüchern und Desinfektionsmitteln und eine Erleichterung für das überlastete Personal. Das Ministerium verspricht Unterstützung, die Kolleg*innen bejubeln sie. Doch am Ende wird die Frühchenstation geschlossen und sie gekündigt. Von allen Mitstreiter*innen fallen gelassen, kämpft sie nun um ihr eigenes Überleben nach der Revolte.

Ihre Mutter, im Kommunismus sozialisiert, redet sich die alten Zeiten schön und weiß, wie es die Tochter hätte besser machen sollen: einfach über den Betrug des Mannes hinwegzusehen statt sich zu trennen und wirtschaftlich auf sich allein gestellt zu sein. Und Erzsébets Tochter Evelin glaubt an gar nichts mehr. Zwischen Ausbildung und Nebenjobs kämpft sie um ihre Chance auf ein gutes Leben.

Drei Generationen von Frauen zwischen Engagement und Desillusion: Wie sehr können sie ihr Leben selbst bestimmen? Und was bleibt übrig vom Glauben an die Veränderbarkeit der Gesellschaft?

Regie: Mercedes Echerer
Bühne: Zsolt Kemenes
Kostüme: Michaela Wuggenig
Musik: Imre Lichtenberger Bozoki
Regieassistenz: Anna Braendle
Es spielen: Babett Arens, Florian Carove, Simone Leski, Suse Lichtenberger, Julia Urban

Hörbeispiel
 

Rechte bei Thomas Sessler Verlag Wien

Im Anschluss an die Vorstellung am 2. Februar 2019
laden wir um 21:45 ein zur Podiumsdiskussion

Ungarn: geteiltes Land, illiberaler Staat, Demokratur - was geht uns das an?

Teilnehmer*innen:

Mercedes Echerer - Regisseurin

Márton Ferenc Gulyás - Politischer Aktivist und Regisseur, Geschäftsführer der Krétakör Gesellschaft, Mitbegründer der "Country for All" Bewegung

Otmar Lahodynsky - Journalist beim profil mit Schwerpunkt Osteuropa und Innenpolitik-EU, Obmann der Vereinigung Europäischer Journalisten (AEJ)

Übersetzung: Lilla Melinda Riedl

Im Anschluss an die Vorstellung am 23. Jänner 2019
laden wir um 21:45 ein zur Podiumsdiskussion

Was tun gegen den Pflegenotstand?

Teilnehmerinnen:
Mercedes Echerer
Regisseurin

Mag. Claudia Kastner-Roth
Geschäftsführende Gesellschafterin Medical Update
Marketing&Media GmbH/pflegenetz

Univ. Prof. Mag. Dr. Hanna Mayer
Institutsvorständin des Instituts für Pflegewissenschaft

Birgit Meinhard-Schiebel
Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger



  Foto: Andreas Friess
  Foto: Andreas Friess

 

 

Der „Tag des Zorns“ endet in tiefer Depression

Drachengasse. Mercedes Echerer gelingt ein erstklassiges Regiedebüt mit dem politischen ungarischen Drama von Árpád Schilling und Éva Zabezsinszkij. Das Ensemble zeigt bei diesem schweren Stoff Elan und auch Witz.

Zwei Krankenschwestern erheben sich, sie üben Widerstand, prangern die Missstände auf ihrer Station der Neonatologie an. Schon gehen sie durch die Reihen des Publikums im Theater Drachengasse und versehen es mit Aufklebern des Protests. Sie kündigen ihn per Megafon auf einer Treppe an, die hinter die von Zsolt Kemenes sparsam, aber geschickt gestaltete kleine Bühne führt. Sie rufen den „Tag des Zorns“ aus. So heißt auch das Drama von Éva Zabezsinszkij und Árpád Schilling, dem gesellschaftskritischen ungarischen Autor und Regisseur, den die autoritär agierende Regierung Viktor Orbáns in Ungarn längst zum „Staatsfeind“ erklärte.

Das Stück beruht auf einer wahren Geschichte – so vertrackt kann tatsächlich nur die Realität sein: Es scheint zwar, als würde der Mut der Demonstrantinnen belohnt werden, die um das Leben von Frühchen kämpfen. Zumindest verlangen sie eine Grundversorgung, weniger Überlastung. Umsonst. Der zuständige Minister zeichnet sie zwar mit einem Orden aus, doch danach wird die Station geschlossen. Die clevere Schwester baut auf ihr Verhältnis zum Direktor und sattelt auf Maklerin um, die andere, selbstlose Schwester verliert ihren Job (Suse Lichtenberger spielt diese Erzsébet Fekete mit Herzblut). Sie muss für ihre Teenager-Tochter Evelin (Simone Leski) und ihre kranke alte Mutter (Babett Arens) sorgen. Im Mittelpunkt stehen der Abstieg dieses bescheidenen Haushalts dreier Generationen und vor allem das Porträt einer ausgebeuteten Frau.

„Tag des Zorns“ hatte am Montag in Wien die österreichische Erstaufführung. Es ist das Regiedebüt der Schauspielerin Mercedes Echerer, die 1999 bis 2004 als Abgeordnete für die Grünen im Europaparlament politische Erfahrung gesammelt hat. Vielleicht trug diese Aufgabe ein wenig zur Emphase der Inszenierung bei. Für die Koproduktion mit neuebuehnevillach gab es bei der Premiere jedenfalls ausdauernd Beifall.

Ein Teenager unter Konsumzwang

Zu Recht. Echerer versieht die eineinhalb Stunden lange Aufführung, die deprimierende existenzielle Ängste abhandelt, auch mit Witz. Der macht es erträglicher, zuzusehen, wie sich der Spalt in der Gesellschaft zwischen jenen, die alle und alles ausnutzen, und jenen, die verlässlich draufzahlen, vergrößert. Gearbeitet wird sowohl mit Pathos als auch mit Situationskomik. Der Abend hat bei all der Schwere des Themas Elan, die Musik ist unaufdringlich, doch stimmig (Imre Lichtenberger Bozoki). Gesetzt wird auf Bewegung und raschen Szenenwechsel. So kann das fünfköpfige Ensemble seine Stärken entfalten. Julia Urban und Florian Carove sind in Mehrfachrollen diverse „Gewinner“. Berechnende. Ob als egoistische Schwester, skurrile Lehrerin oder gelangweilte Gattin, als erbärmlicher Exmann, situationselastischer Spitalsdirektor oder skrupelloser Minister – es gelingt ihnen, Emotionen zu erzeugen. Sie setzen auch gekonnt das Karikieren dieser Charaktere ein.

Mitgefühl erweckt hingegen das Verlierertrio dieser Tragikomödie: Arens spielt mit Raffinesse die leidende, stets zur Anpassung an die Welt und zur Ausbeutung der Tochter bereite Oma. Leski wird zur authentischen Heranwachsenden, die zwischen der Sehnsucht nach Liebe in dieser Familie und dem Hang zur Erpressung schwankt. Sie unterliegt unreflektiert allerlei Konsumzwang. In solch einem Umfeld hat Erzsébet keine Chance. Lauter Verluste muss diese couragierte Mutter hinnehmen, die von Lichtenberger nuanciert als Kämpferin dargestellt wird. Man versteht am Ende nur zu gut, dass diese Frau einen radikalen Schnitt macht.

Die Presse, 17.01.2019

Aufbegehren im Abwärtsstrudel

Kritik. Mercedes Echerer gibt mit „Tag des Zorns“in der Drachengasse ihr geglücktes Regiedebüt

Erzsébet Fekete ist eine engagierte Krankenschwester auf einer Frühchenstation, wo manche Babies nicht mehr als eine Grapefruit wiegen. Ob der widrigen Arbeitsbedingungen organisiert sie mit einer Kollegin eine Demonstration, den „Tag des Zorns“, über den landesweit im Fernsehen berichtet wird. Die Solidarisierung ist enorm, und die Politik scheint gewillt, die längst geleisteten Überstunden ausbezahlen zu wollen. Aber nicht nur das: Erzsébet wird, weil sie ein Vorbild sei, vom Minister ausgezeichnet.

Doch die Freude währt nur kurz: In „Tag des Zorns“von Árpád Schilling und Éva Zabezsinszkij muss die Erzsé- bet erkennen, in einen Abwärtsstrudel hineintheatert worden zu sein. Denn die Neonatologie wird geschlossen. Für die Kollegin, die, wie sich herausstellt, ein Verhältnis mit dem Krankenhausdirektor hat, verbessert sich die Situation; Erzsébet hingegen verliert ihren geliebten Job.

Im Theater Drachengasse kämpft Suse Lichtenberger eineinhalb Stunden lang mit beeindruckend natürlichem, unaufgeregtem Spiel gegen das Unheil an. Doch andauernd muss ihre Erzsébet, die sich nicht nur um ihre Tochter, sondern auch um ihre kränkliche Mutter kümmern muss, neue Schicksalsschläge einstecken. Sie strotzt zu- nächst vor Optimismus, klammert sich an jeden Strohhalm. Die Ausweglosigkeit aber ist vorherbestimmt.

Schauspielerin und ExPolitikerin Mercedes Echerer, die am Dienstag mit der österreichischen Erstaufführung von „Tag des Zorns“ihr Regiedebüt gab, macht den Leidensweg dieser Erzsébet erträglich, indem sie heitere Momente und richtig komische Situationen einf licht.

Der größte Haufen

Florian Carove beweist sich dabei als Mann für alle Fälle: Er versieht jede seiner MiniRollen persif lierend mit individuellen Charakterzügen. Julia Urban hingegen benö- tigt typgerechte Kostüme (von Michaela Wuggenig), um ihre Figuren voneinander unterscheidbar zu machen.

Für pointierte Glanzlichter sorgt Babett Arens als besserwisserische Mutter, die Erzsébet andauernd Vorwürfe macht und immerzu eine Volksweisheiten parat hat. Die Erkenntnis, dass der Teufel immer auf den größten Haufen scheiße, hilft aber nicht wirklich weiter. Und wenn sich dann noch Evelyn (Simone Leski) von der typischen Teenagerin in eine junge Frau verwandelt, die dem Luxus frönen will: Dann versteht Erzsébet die Welt nicht mehr.

Kurier, 16.1.2019

Kein Platz für Protestierer

Den Eingang zum Spielraum hat Kristof Kepler mit einem Wandbild versehen, Viktor Orbán und wie er von einem Hund bepisst wird, ein erster Eindruck von Stimmung und Stoßrichtung, die den Abend im Theater Drachengasse ausmachen werden. Ist das Stück, das gegeben wird, doch von Autorin Éva Zabezsinszkij und Theatermacher Árpád Schilling, und dieser in seiner Heimat Ungarn als „potenzieller Vorbereiter staatsfeindlicher Aktivitäten“ von der Fidesz-Regierung zum Feind erklärt worden. Worauf Schilling sich höflichst für die prestigeträchtige Verleihung der „Medaille des Verräters“ bedankte …

Montagabend war nun Österreichische Erstaufführung von „Tag des Zorns“, eine Koproduktion mit neuebuehnevillach und die erste Regiearbeit von Mercedes Echerer, die zuletzt schon mit ihren Hörbucheditionen kulturelle Entdeckungsreisen durch den europäischen Kontinent unternahm, dessen östlicher Teil ihr aufgrund familiärer Verbindungen ein besonderes Anliegen ist. Schilling und Zabezsinszkij erzählen entlang einer wahren Geschichte: 2015 wagte es Krankenschwester Mária Sándor, bekannt geworden als „Schwester in Schwarz“, weil sie ihre obligate weiße Berufskleidung gegen die Farbe der Trauer tauschte, gegen die herrschenden Zustände an ungarischen Krankenpflegeanstalten zu protestieren.

Sándor trat einen langen Marsch gegen das System an, gegen die unzulänglichen, unmenschlichen Verhältnisse für Patienten und Personal, gegen die erniedrigenden Arbeitsumstände, gegen die unbezahlten Überstunden. Mit der Folge, dass die Kolleginnen und Kollegen sie der Reihe nach im Stich ließen. So ergeht es in der Bühnenfiktion auch Erzsébet, Krankenschwester auf einer neonatologischen Station, die die Situation für die ihr schutzbefohlenen Frühchen verbessern will. Gemeinsam mit Freundin Nicki probt sie den Aufstand, eine Demonstration, die sich zur landesweiten ausdehnt, und eigentlich ist Nicki die Anstifterin, doch die biblische Strafe wird über Erzsébet kommen.

Suse Lichtenberger spielt diese, eine geschiedene, alleinerziehende Mutter, die auch noch der eigenen Mutter Unterkunft in ihrer kleinen Wohnung gibt, eine Frau voller Selbstzweifel, mit wenig Selbstvertrauen, eine von denen, die Fehler stets bei sich selber suchen. Begleitet wird Lichtenbergers berührende Performance von Simone Leski, die die Tochter Evelyn zwischen Aufsässigkeit (weil ihre Konsumwünsche nicht erfüllt werden können) und Anteilnahme am Schicksal der Familie anlegt, und Babett Arens als Erzsébet sen. Dies freilich die dankbarste Rolle, erst eine schrullige Alte, die trinkt wie ein Husar und schimpft wie ein Rohrspatz, eine Sprichwort-Schleuder, die mit ihrer „Hab ich’s nicht gleich gesagt“-Attitüde nervt, bis sie ein Unglück in tiefste Hilflosigkeit stürzt. Klar, dass die Arens alle Facetten ihrer Figur mit ihrem schauspielerischen Können füllt.

Nicht nur für diesen Charakter haben Schilling und Zabezsinszkij pointierte Sätze geschrieben, die beiden verstehen es, die Brisanz des Themas, dessen politische Dimension in eine krachende Satire zu betten, und Mercedes Echerer inszeniert das ohne Schnörkel, doch bei aller Härte des Gezeigten mit wohldosiertem, trockenem Humor. So dass trotz der Trostlosigkeit, in der die Figuren leben, sie noch unterstrichen vom Bühnenbild Zsolt Kemenes‘ und den Kostümen von Michaela Wuggenig, ein ab und zu Auflachen noch möglich ist. Das Spieltempo ist hoch, was vor allem Julia Urban und Florian Carove fordert, die in jeweils mehreren Rollen zu sehen sind.

Julia Urban unter anderem als Nicki, als Evelyns Klassenvorstand, die kommt, um die Familie auszuspionieren, sowie als diverse Karriere- und Ehefrauen, jede von ihnen darstellerisch auf den Punkt gebracht, entworfen mit wenigen, energisch gesetzten Strichen. Ganz großartig ist die Wandlungsfähigkeit von Florian Carove, der als Gesundheitsminister und als Krankenhausdirektor von Populist zu Opportunist wechselt, wobei letzterer die windigen Versprechungen des ersteren genau kennt, später als Erzsébets Ex-Mann auf Pantoffelheld macht – und als exaltierter Schönheitssalonbesitzer Norbi ein Kabinettstück liefert. Bei ihm nämlich findet Erzsébet endlich neue Arbeit – die diplomierte Fachkraft als Putzfrau, wird sie doch im Krankenhaus gefeuert, weil des Ministers Problemlösung lautet, die Frühchen-Station zu schließen.

„Die Menschen lieben Schreihälse nicht, weil sie sie daran erinnern, dass sie selber schweigen“, konstatiert Erzsébet sen., als sich alle von ihrer Tochter abwenden und die nun als Störenfried verschrien keine Stelle mehr in einem Spital findet. Die Spirale dreht sich unaufhaltsam nach unten, Erzsébet wird reingelegt, finanziell, in der Liebe, in ihrem Glauben an Mitmenschlichkeit, wird immer aggressiver werden – und am Ende eine Wahnsinnstat begehen …

400 Überstunden pro Jahr, für die die Konzerne drei Jahre Zeit haben, um sie zu bezahlen, hat das ungarische Parlament im Dezember des Vorjahres per Gesetz verordnet. Doch „Tag des Zorns“ beschreibt nicht nur ein Land, das vom Kommunismus in einen Nationalismus mit zunehmenden sozialen Missständen gefallen, und mit zügigen Schritten Richtung Totalitarismus unterwegs ist. Die erfolgreiche Zerstörung gesellschaftlicher Solidarität, deren Spaltung durch das Säen politischer Zwietracht, und im speziellen Fall das Krankmachen des Gesundheitssystems, passiert auch anderswo. Wer Parolen à la „Wer anständig arbeitet, wird schon sein Auslangen finden“ hören will, muss über keinen Grenzzaun schauen. In diesem Sinne ist dem Aufruf zum Früher-Aufstehen unbedingt zu folgen, gilt es dieser Tage doch hellwach zu sein.

Mottingers-Meinung.at, 15.1.2019

"Tag des Zorns" im Theater Drachengasse Die diplomierte Kinderkrankenschwester Erzsebet Fekete ist eine mutige Frau. Sie organisiert den "Tag des Zorns", eine landesweite Demonstration gegen die Arbeitsbedingungen und Missstände in den medizinischen Berufen. Der Minister zeichnet sie aus. Und lässt ihre Neonatologie schließen. Die Alleinerzieherin findet sich daraufhin allein gelassen und arbeitslos. Willkommen in der bitteren Realität!

Quelle: https://www.sn.at/kultur/theater/tag-des-zorns-im-theater-drachengasse-64120345 © Salzburger Nachrichten VerlagsgesmbH & Co KG 2019

"Tag des Zorns" im Theater Drachengasse Die diplomierte Kinderkrankenschwester Erzsebet Fekete ist eine mutige Frau. Sie organisiert den "Tag des Zorns", eine landesweite Demonstration gegen die Arbeitsbedingungen und Missstände in den medizinischen Berufen. Der Minister zeichnet sie aus. Und lässt ihre Neonatologie schließen. Die Alleinerzieherin findet sich daraufhin allein gelassen und arbeitslos. Willkommen in der bitteren Realität!

Quelle: https://www.sn.at/kultur/theater/tag-des-zorns-im-theater-drachengasse-64120345 © Salzburger Nachrichten VerlagsgesmbH & Co KG 2019

"Tag des Zorns" im Theater Drachengasse

Die diplomierte Kinderkrankenschwester Erzsebet Fekete ist eine mutige Frau. Sie organisiert den "Tag des Zorns", eine landesweite Demonstration gegen die Arbeitsbedingungen und Missstände in den medizinischen Berufen. Der Minister zeichnet sie aus. Und lässt ihre Neonatologie schließen. Die Alleinerzieherin findet sich daraufhin allein gelassen und arbeitslos. Willkommen in der bitteren Realität!

Der ungarische Regisseur Arpad Schilling, der auch immer wieder in Österreich arbeitet, und seine Co-Autorin Eva Zabezsinszkij haben für ihr Stück "Tag des Zorns" eine Episode aus den politischen und sozialen Verwerfungen Ungarns der vergangenen Jahre zum Ausgangspunkt genommen. Schilling, der in seiner Heimat als "Staatsfeind" diffamiert wird, lässt keinen Zweifel daran, dass er sich als Realist, nicht als Optimist versteht: In einem von Egoismus und Nepotismus geprägten Umfeld bleiben Idealisten unweigerlich auf der Strecke.

Die Österreichische Erstaufführung durch Mercedes Echerer, die am Montag als Koproduktion mit der neuebuehnevillach im Wiener Theater Drachengasse Premiere hatte, lässt in einem Einheitsraum von Zsolt Kemenes die kämpferische Krankenschwester von einer Ernüchterung zur nächsten taumeln. Suse Lichtenberger macht ihre Sache hervorragend. Naiv versucht sie als Erzsebet ihren kurzfristigen Medienruhm für sich zu nutzen, und scheitert doch auf allen Linien. Julia Urban und Florian Carove springen gekonnt von einer Rolle in die nächste. Vorgesetzte, Kollegen, Freunde, Ex-Mann - auf niemanden ist Verlass. Sie unterscheiden sich nur in der Art, wie sie die immer verzweifelteren Hilferufe ignorieren. Babett Arens und Simone Leski bilden als Erzsis Mutter und Tochter die private Ebene - kein Auffangnetz, sondern zusätzlicher Druck. Die Mutter droht zu erblinden und benötigt eine teure Operation im Ausland, zu deren Finanzierung die nunmehr Arbeitslose ihre Wohnung verkauft. Die Tochter würde knapp vor ihrem Schulabschluss Geborgenheit und Unterstützung benötigen.

Regisseurin Echerer weiß um die Gefahren, die angesichts des tristen, ernüchternden Stoffes auf der Bühne drohen und versucht diese durch grelle, zwischen Satire und Parodie schwankende Einlagen abzufedern. Das beschert der rund 100-minütigen, am Ende heftig akklamierten Aufführung auch unterhaltende Momente. Emotionalisierung statt Entsolidarisierung. Und doch hat man mitunter das Gefühl, dass diesem "Tag des Zorns" eine kalte Wut, eine analytische Nüchternheit besser zu Gesicht stünde. Nach der Vorstellung am 23. Jänner gibt es eine Podiumsdiskussion zur Frage "Was tun gegen den Pflegenotstand?". Nimmt man das Stück zum Vorbild, scheint eine Demo nicht das geeignete Mittel.

APA, 15.1.2019

"Tag des Zorns" im Theater Drachengasse Die diplomierte Kinderkrankenschwester Erzsebet Fekete ist eine mutige Frau. Sie organisiert den "Tag des Zorns", eine landesweite Demonstration gegen die Arbeitsbedingungen und Missstände in den medizinischen Berufen. Der Minister zeichnet sie aus. Und lässt ihre Neonatologie schließen. Die Alleinerzieherin findet sich daraufhin allein gelassen und arbeitslos. Willkommen in der bitteren Realität!

Quelle: https://www.sn.at/kultur/theater/tag-des-zorns-im-theater-drachengasse-64120345 © Salzburger Nachrichten VerlagsgesmbH & Co KG 2019

Theater Drachengasse: Schillings "Tag des Zorns"

Es ist der "Tag des Zorns": Zwei Krankenschwestern steigen auf die Barrikaden, kämpfen für bessere Bedingungen auf ihrer Station. Politik und Bevölkerung applaudieren - um sich bald wieder wegzudrehen. Was folgt sind Menschenjagd, Tragik, Trostlosigkeit.

Árpád Schilling, literarischer Widersacher der aktuellen Regierung, hat ein Stück über Politik geschrieben. Über Politik? Nein, über Menschen! Die Mühlen des menschlichen Egoismus sind am Werk. Die Krankenschwester Erzsébet (mit großer menschlicher Note spielt Suse Lichtenberger), als einzige Figur des Stücks integer, kämpft für andere - und verliert ihre Stelle. Wohin sie sich auch wendet, überall stößt sie auf Ablehnung. Allen geht es nur ums eigene Wohl. Schilling und Éva Zabezsinszkij schrieben ein Stück, das an "Geschichten aus dem Wiener Wald" erinnert. Stilistisch weniger grau, aber in gleichem Maße tragisch wird eine gute Seele zu Tode gehetzt. Die Autoren entwerfen schattenrissartige Figuren: Abziehbilder, skurril überzeichnet, nahe an Klischees. Die konkrete Situation (Pflegenotstand) und der Ort der Handlung (Ungarn) bleiben Nebensache in diesem Labor menschlicher Schwächen. Die Figuren sind austauschbar: Erzsébets Mutter, durch die Hölle der kommunistischen Diktatur gegangen, ist menschlich ebenso abgestumpft wie die halbwüchsige Tochter.

Mercedes Echerer, Schauspielerin und Ex-Politikerin, widmet sich erstmals der Regie. Realistisch setzt sie die Figuren, lässt die Darsteller (Babett Arens, Florian Carove, Simone Leski, Julia Urban) spielfreudig agieren, lockt bei aller Tragik auch Lacher aus dem Publikum. Am Ende bleibt die Verzweiflung; und die Frage, ob Veränderung und das Gute Platz finden?

Kronenzeitung, 18.1.2019


www.drachengasse.at

Theater Drachengasse
Fleischmarkt 22
1010 Wien

Eingang Drachengasse 2

 

Kartenreservierung telefonisch Di-Sa 15.30-19 Uhr oder rund um die Uhr über die Homepage

25.03.2019

Telefon 512 13 54
Telefax 512 06 04
theater@drachengasse.at