Theater Drachengasse  Bar&Co
AKTUELLE PRODUKTIONEN


Open House

von David Paquet
Deutsch von Frank Weigand

Österreichische Erstaufführung, Eigenproduktion Theater Drachengasse

Theater Drachengasse
4. Mai - 13. Juni 2017
Di-Sa um 20 Uhr
Vorstellung auch am Mo, 22. Mai 2017
Keine Vorstellungen am 26. und 27. Mai 2017

 

Foto: Andreas Friess

 
Foto: Andreas Friess  









































Für Fragen zu Ihrem Guthaben wählen sie die Eins. Für Fragen zu Ihrer Unfähigkeit, mit der Existenz zurechtzukommen, wählen Sie die Zwei. Für Fragen zur Aufzehrung der natürlichen Ressourcen wählen Sie die Drei.

Louis ist für alle Fälle ausgerüstet mit Asthmaspray, Allergiespritze und abgepackter Zwischenmahlzeit. Die Erderwärmung geht ihm ebenso an die Nieren wie der Kapitalismus und seine Unfähigkeit, sich richtig am Telefon zu melden.

Anna verbringt ihre Tage damit, sich in Schachteln zu quetschen, um auch mal Applaus zu bekommen. Bis sie entdeckt, dass sie sich nicht mehr verbiegen will.

Und Charlotte verbietet sich Schachtelakrobatik und Weltuntergangsstimmung, wenn wieder mal eine Liebe ihres Lebens in der gemeinsamen Wohnung angesagt ist. Die kommt aber nie.

Oder anders als erwartet: Charlotte entdeckt den magischen Effekt bedingungsloser Selbstliebe, und Anna und Louis verlieben sich, nachdem sie einander ihre Liebe für Cola gestanden haben.

Regie: Julia Burger
Bühne, Kostüm: Nora Pierer
Regieassistenz: Carmen Jelovcan
Es spielen: Aleksandra Corovic, Sven Kaschte, Anna Kramer

Rechte bei Rowohlt Theater Verlag Reinbek/Hamburg

HÖRBEISPIEL mp3


  Foto: Andreas Friess
  Foto: Andreas Friess

 

David Paquet

 

Hauptsache Liebe

Ein Stück über Liebe! Und Kapitalismus, Klimaerwärmung, Tierkostüme, Eitelkeiten et cetera. Julia Burger inszeniert am Theater Drachengasse die österreichische Erstaufführung von "Open House". Der kanadische Autor David Paquet versammelt in diesem Text allerlei zeitgenössische Erlebniswelt-Schnipsel und fügt sie in eine von aberwitzigen Wendungen zu abstrusen Konklusionen schreitenden Dramaturgie.

Aleksandra Corovic, Sven Kaschte und Anna Kramer spielen drei verhaltensgestörte WG-Bewohner und fragen sich, "wie man zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen unterscheidet". Dank einer klar choreografierten Materialschlacht, klar gesetzten Szenenwechseln und einem beherzt in die Vollen greifenden Schauspiel verliert sich der Text nicht im unbestimmten Nirgendwo. Sondern macht: Komödie!

Nora Pierer hat hierfür Bühne und Kostüme entworfen. Während erstere eine klaustrophobisch-vollgestellt schmucke WG vorstellt, platzt mit den Kostümen eine weitere humorvolle Ebene auf. Eben: Tierkostüme. Und weil es vor allem um die Liebe geht, tanzt Sven Kaschte irgendwann mit vier Armen im grünen Alien-Anzug: "Liebe mich! Auch wenn wir grün sind, ist es das, was wir wollen!" Die Schauspielenden reagieren pointiert aufeinander und sprechen lange Monologe aufmerksam in Richtung Publikum. Die häufigen Wechsel der Spielweise bergen den Aberwitz aus dem Sprechdurchfall. Regisseurin Burger setzt Slapstick neben bedeutsam-nachdenklich Gesprochenes. Am Ende Konfetti.

Wiener Zeitung, 11.5.2017

Hilfe, meine Mikrowelle spricht mit mir!

David Paquet zeigt drei junge Leute, die zusammen wohnen. Und mei, sind die zum Knuddeln in ihrer liebenswert schrulligen sozialen Unfähigkeit: Einer (Sven Kaschte) nimmt sich düstere Prognosen in der Zeitung sehr zu Herzen, eine andere (Anna Kramer) würde verflossene Dates am liebsten shreddern, und die dritte (Aleksandra Corovic) läuft vor lauter Unsicherheit in Tierkostümen herum. Regisseurin Julia Burger und Ausstatterin Nora Pierer verschärfen die Komplexe der Figuren in „Open House“ durch eine mit Hindernissen durchzogene Wohnungseinrichtung und sprechende Elektrogeräte. Gespielt wird mit vollem Neurosen-Einsatz, und so verbringt man diesen Abend der offenen Tür durchwegs milde schmunzelnd.

Falter 19/17

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